- Der Stundenverrechnungssatz ist der Nettopreis, den du pro produktiver Arbeitsstunde berechnen musst, um alle Kosten zu decken und Gewinn zu machen.
- Er setzt sich zusammen aus Lohnkosten, Lohnnebenkosten, Gemeinkosten sowie einem Zuschlag für Wagnis und Gewinn.
- Entscheidend sind die produktiven Stunden. Urlaub, Krankheit, Fahrten ohne Berechnung und Büroarbeit bringen kein Geld.
- Rechne mit deinen eigenen Zahlen aus der Buchhaltung. Werte anderer Betriebe taugen nur als grobe Orientierung.
Inhalt dieses Ratgebers
- Was ist der Stundenverrechnungssatz?
- Das Kalkulationsschema in fünf Schritten
- Lohnkosten und Lohnnebenkosten ermitteln
- Produktive Stunden: der unterschätzte Faktor
- Gemeinkosten richtig erfassen
- Rechenbeispiel: So kommst du auf deinen Satz
- Ein Satz für alle oder getrennt nach Meister, Geselle und Helfer?
- Häufige Fehler bei der Kalkulation
- Wagnis und Gewinn: wie viel Zuschlag?
- Wo liegen typische Stundensätze?
- Den Satz im Alltag durchsetzen
- Häufige Fragen
Was ist der Stundenverrechnungssatz?
Der Stundenverrechnungssatz ist der Betrag, den du dem Kunden für eine Arbeitsstunde netto in Rechnung stellst. Er soll drei Dinge abdecken: die Kosten des Mitarbeiters, die laufenden Kosten des Betriebs und einen Gewinn, der das Risiko trägt und Rücklagen ermöglicht.
Der häufigste Fehler ist, nur vom Lohn aus zu denken. Ein Geselle mit 22 € Stundenlohn kostet dich deutlich mehr als 22 € pro Stunde, und er arbeitet nicht jede bezahlte Stunde beim Kunden. Genau diese Lücke schließt das Kalkulationsschema.
Das Kalkulationsschema in fünf Schritten
| Schritt | Was du ermittelst | Woher die Zahl kommt |
|---|---|---|
| 1. Lohnkosten | Bruttolohn für alle bezahlten Stunden im Jahr | Lohnabrechnung, Arbeitsvertrag |
| 2. Lohnnebenkosten | Arbeitgeberanteile, Umlagen, Berufsgenossenschaft | Lohnbuchhaltung, Steuerberatung |
| 3. Produktive Stunden | Stunden, die du dem Kunden tatsächlich berechnen kannst | Stundenzettel, eigene Auswertung |
| 4. Gemeinkosten | alle Kosten, die keinem Auftrag direkt zuzuordnen sind | Betriebswirtschaftliche Auswertung, Jahresabschluss |
| 5. Wagnis und Gewinn | Zuschlag auf die Selbstkosten | deine Entscheidung |
Lohnkosten und Lohnnebenkosten ermitteln
Starte mit dem Jahresbruttolohn. Bei Stundenlohn rechnest du den Lohn mal alle bezahlten Stunden, also auch Urlaub, Feiertage und Krankheitstage mit Lohnfortzahlung. Bei 40 Stunden pro Woche sind das rund 2.080 bezahlte Stunden im Jahr.
Dazu kommen die Lohnnebenkosten. Das sind vor allem die Arbeitgeberanteile zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, dazu die Umlagen U1, U2 und U3, der Beitrag zur Berufsgenossenschaft und eventuell tarifliche Leistungen wie die Sozialkasse im Bau. Wie hoch der Aufschlag bei dir genau ist, zeigt deine Lohnbuchhaltung. Nimm den tatsächlichen Wert aus dem Vorjahr statt einer Faustzahl.
Produktive Stunden: der unterschätzte Faktor
Bezahlte Stunden sind nicht gleich verkaufte Stunden. Von den 2.080 Stunden gehen ab:
- Urlaub, zum Beispiel 30 Tage
- gesetzliche Feiertage, je nach Bundesland rund 9 bis 13 Tage
- Krankheitstage
- Weiterbildung und Unterweisungen
- Zeiten, die du nicht abrechnen kannst: Material holen, Werkstatt aufräumen, Fahrten ohne Berechnung, Nacharbeit
Übrig bleiben die produktiven Stunden. Wie viele es sind, siehst du am besten in deinen Stundenzetteln: Vergleiche die bezahlten Stunden mit den Stunden, die auf Rechnungen gelandet sind. Viele Betriebe sind überrascht, wie groß der Unterschied ist.
Gemeinkosten richtig erfassen
Gemeinkosten sind alle Kosten, die nicht direkt einem Auftrag zugeordnet werden. Typisch im Handwerk:
- Miete, Nebenkosten und Instandhaltung von Werkstatt und Lager
- Fahrzeuge: Leasing, Versicherung, Kraftstoff, Wartung
- Werkzeuge, Maschinen und deren Abschreibung
- Versicherungen, Kammer- und Innungsbeiträge
- Büro: Software, Telefon, Porto, Steuerberatung
- Löhne für nicht produktive Mitarbeiter, etwa im Büro
- dein kalkulatorischer Unternehmerlohn für Büro und Organisation
- Zinsen und Werbung
Die Summe teilst du durch die produktiven Stunden aller Mitarbeiter. So erhältst du den Gemeinkostenanteil pro Stunde. Alternativ rechnen manche Betriebe mit einem prozentualen Zuschlag auf die Lohnkosten. Das Ergebnis ist dasselbe, wenn die Zahlen stimmen.
Rechenbeispiel: So kommst du auf deinen Satz
Das folgende Beispiel ist frei angenommen und dient nur zur Veranschaulichung. Ein Betrieb mit drei Gesellen, Stundenlohn jeweils 22 €, 40 Stunden pro Woche.
| Position | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Jahreslohn je Geselle | 22 € × 2.080 Std. | 45.760 € |
| Lohnnebenkosten (Annahme 23 %) | 45.760 € × 0,23 | 10.525 € |
| Personalkosten je Geselle | 56.285 € | |
| Anwesenheitsstunden | 2.080 minus 30 Tage Urlaub, 10 Feiertage, 10 Krankheitstage | 1.680 Std. |
| Produktive Stunden (Annahme 80 %) | 1.680 × 0,8 | 1.344 Std. |
| Personalkosten pro produktiver Stunde | 56.285 € : 1.344 | 41,88 € |
| Gemeinkosten pro Jahr (Annahme) | 120.000 € | |
| Gemeinkosten pro produktiver Stunde | 120.000 € : (3 × 1.344) | 29,76 € |
| Selbstkosten pro Stunde | 41,88 € + 29,76 € | 71,64 € |
| Wagnis und Gewinn (Annahme 12 %) | 71,64 € × 0,12 | 8,60 € |
| Stundenverrechnungssatz netto | 80,24 € | |
| mit 19 % Umsatzsteuer | 95,48 € |
In diesem Beispiel müsste der Betrieb also rund 80 € netto pro Stunde berechnen. Bei 22 € Stundenlohn wirkt das auf Kunden viel, ist aber schlicht das, was der Betrieb zum Überleben braucht.
Ein Satz für alle oder getrennt nach Meister, Geselle und Helfer?
Viele Betriebe arbeiten mit einem einzigen Mischsatz. Das ist einfach und für Kunden leicht verständlich. Es funktioniert gut, solange die Löhne im Team ähnlich sind und die Mitarbeiter auf den Baustellen in etwa gleich eingesetzt werden.
Setzt du dagegen oft einen Helfer allein ein oder berechnest Meisterstunden für anspruchsvolle Arbeiten, lohnen sich getrennte Sätze. Dafür rechnest du die Personalkosten pro produktiver Stunde für jede Gruppe einzeln. Die Gemeinkosten pro Stunde bleiben gleich, weil sie für alle Mitarbeiter anfallen. Der Zuschlag für Wagnis und Gewinn kommt jeweils oben drauf.
Wichtig ist, dass die Sätze zusammen die Gemeinkosten decken. Wer Helferstunden zu billig verkauft, muss das über andere Stunden wieder hereinholen.
Häufige Fehler bei der Kalkulation
- Mit bezahlten statt produktiven Stunden rechnen: Der Satz wirkt dann niedriger, als er sein müsste.
- Eigene Arbeitszeit vergessen: Ohne kalkulatorischen Unternehmerlohn arbeitest du als Inhaber umsonst.
- Abschreibungen weglassen: Fahrzeuge und Maschinen verschleißen auch dann, wenn sie abbezahlt sind.
- Alte Zahlen weiterverwenden: Lohnerhöhungen, Tarifabschlüsse und gestiegene Kraftstoffpreise schlagen direkt durch.
- Anfahrt verschenken: Wenn Fahrzeiten nicht berechnet werden, müssen sie in den Gemeinkosten oder als Anfahrtspauschale auftauchen.
Wagnis und Gewinn: wie viel Zuschlag?
Mit den Selbstkosten deckst du nur deine Kosten. Der Zuschlag für Wagnis und Gewinn sichert dich gegen Forderungsausfälle, Gewährleistungsarbeiten und schlechte Monate ab und ermöglicht Investitionen. Eine feste Regel für die Höhe gibt es nicht. Sie hängt davon ab, wie riskant deine Aufträge sind und wie dein Markt aussieht. Setze den Zuschlag bewusst und nicht aus Gewohnheit bei null an.
Wo liegen typische Stundensätze?
Die Spanne im Handwerk ist groß. Gewerk, Region, Betriebsgröße und Ausstattung machen viel aus. Als sehr grobe Orientierung liegen viele Betriebe irgendwo zwischen 60 und 100 € netto pro Stunde, einzelne Gewerke und Ballungsräume auch deutlich darüber. Belastbar ist das nicht. Deine Handwerkskammer oder Innung bietet oft Kalkulationshilfen und Betriebsvergleiche an, die besser zu deinem Gewerk passen.
Den Satz im Alltag durchsetzen
Ein sauber berechneter Satz nützt nur, wenn er auch in Angeboten und Rechnungen ankommt. Hinterlege ihn in deiner Software, rechne Angebote konsequent damit und prüfe nach größeren Aufträgen, ob die kalkulierten Stunden gereicht haben. Wie du den Satz sauber ins Angebot bringst, steht in unserem Ratgeber zum Angebot im Handwerk. Musst du ihn erhöhen, hilft der Beitrag zur Preiserhöhung bei Bestandskunden.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Stundenlohn und Stundenverrechnungssatz?
Der Stundenlohn ist das, was der Mitarbeiter brutto pro Stunde bekommt. Der Stundenverrechnungssatz ist das, was du dem Kunden pro Stunde netto berechnest. Er muss zusätzlich Lohnnebenkosten, bezahlte Ausfallzeiten, alle Gemeinkosten des Betriebs und deinen Gewinn tragen. Deshalb liegt er meist ein Vielfaches über dem Stundenlohn.
Wie oft sollte ich den Stundensatz neu berechnen?
Mindestens einmal im Jahr, am besten nach dem Jahresabschluss. Zusätzlich immer dann, wenn sich Löhne, Miete, Fahrzeugkosten oder die Zahl der Mitarbeiter spürbar ändern.
Gehört mein eigener Unternehmerlohn in die Kalkulation?
Ja. Als Inhaber einer Einzelfirma bekommst du kein Gehalt, deine Arbeitszeit kostet trotzdem Geld. Setze einen angemessenen kalkulatorischen Unternehmerlohn an. Die Stunden, in denen du selbst auf der Baustelle arbeitest, zählst du bei den produktiven Stunden mit, die Bürozeit fließt über die Gemeinkosten ein.
Brauche ich für jeden Mitarbeiter einen eigenen Satz?
Nicht unbedingt. Viele Betriebe rechnen mit einem Mischsatz. Wenn sich Löhne stark unterscheiden, etwa zwischen Meister, Geselle und Helfer, lohnen sich getrennte Sätze. Dann passt der Preis besser zur tatsächlichen Leistung.
Ist der Stundenverrechnungssatz netto oder brutto?
Er wird netto kalkuliert. Auf der Rechnung kommt die Umsatzsteuer dazu, bei Privatkunden nennst du im Angebot am besten beide Werte.
Stand: 27.09.2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall wende dich an deine Steuerberatung oder Handwerkskammer.

